Moderne Selbstsorge

Schon Platon besaß ein großes Interesse an den Mechanismen der Verbesserung des Menschen sowie der der eigenen Person. In dem bekannten Dialog über den Philosophenherrscher („Alkibiades I“) klärt Sokrates seinen Geliebten über dessen Unvermögen und bestehenden Lernbedarf auf. Alkibiades ist ein angehender Politiker und in seiner Rolle als Politiker, so öffnet ihm Sokrates die Augen, müsse er über Wahrheit und Unwahrheit Bescheid wissen. Im Dialog erinnert er seinen Geliebten an das Orakel von Delphi, dessen Aufforderung, „Erkenne dich selbst!“, er Folge leisten solle. Wenn das Orakel ein Sich-selbst-erkennen-Müssen voraussetzte, um zu erkennen, was hinsichtlich eines Begehrens bzw. des eigenen Strebens zu unternehmen sei, so sollte dies die Sorge um sich selbst nach sich ziehen. Sokrates zeichnet hierfür das Bild eines Blickes in den Spiegel. Blicke eine Seele in den Spiegel verbunden mit der Intention, Einsicht in Weisheit und Tugend zu erlangen, solle sie, so Sokrates, darauf zielen, den göttlichen Teil in sich zu finden. Doch die Selbsterkenntnis ersucht an jenem Punkt das Unmögliche und führt eben zu dem Wissen, dass der Mensch trotz seiner Vernunft kein Gott sein kann.

Die Selbsterkenntnis ist, Platon zufolge, das
Grundprinzip jeder Selbstsorge. Und insofern jede Bemühung der Verbesserung des Selbst bzw. des eigenen Lebens zur Selbstsorge zu zählen ist, stellt sich die Frage, wo und wie sich der Nutzer jener Apps selbst erkennt. Oder direkt im Hinblick auf die Softwaretechnik gefragt, wo begegnet der Nutzer seinem Spiegelbild?

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